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Führung auf dem ‚Archäologischen Pfad 3‘ zur Höhensiedlung auf dem Rhündaer Berg, am Samstag, 24.8.2019

 

Einst ein kulturelles Zentrum – heute ein bewaldetes Bergplateau.

Der Rhündaer Berg – eine Basaltkuppe südöstlich von Gensungen – ist Höhepunkt und Ziel der Wanderung auf dem Archäologischen Pfad 3. Der Berg war in prähistorischer Zeit ein dicht besiedeltes Zentrum einer längst vergangenen Kulturlandschaft. Dort sind bei Grabungen in den Jahren 2005 – 2008 eisenzeitliche Siedlungsspuren nachgewiesen worden. Reste von Wallanlagen sowie Hauspfostenlöcher, die mit Basaltstehlen gekennzeichnet sind, vermitteln einen guten Eindruck über Größe und Beschaffenheit dieser Höhensiedlung.

Die Tour führt zunächst vom Museum ins Sunderbachtal und zur Gensunger Wehrkirche. Von dort geht es vorbei an einem ehemaligen Menhir in der Helmshäuser Straße über den Speckenbach und auf der südöstlichen Seite hinauf zum Rhündaer Berg, wo wir schließlich die Höhensiedlung auf dem Bergplateau erreichen. Zurück führt der Weg über die Hopfenberghütte und die Westflanke des Berges, die einen wunderschönen Blick über das Edertal mit Altenburg und Felsburg eröffnet. Die St.Albans Gärten in Gensungen bilden die letzte Station, bevor wir wieder das Museum erreichen.

Dort erwartet die Wanderer ein kleiner Imbiss und die Gelegenheit, die unterwegs beschriebenen Funde im neu gestalteten Museum zu besichtigen. Der Rundweg ist ca. acht Kilometer lang. Er steigt vom Museum bis zum Rhündaer Berg ca. 170 m an. 12 Tafeln informieren über archäologische Funde und stellen die jeweiligen Fundplätze und Kulturepochen vor. Wanderstopps an den 12 Infotafeln, eine angenehme Rast und die eigentliche Gehzeit summieren sich zu einer Gesamtdauer von ca. 5 Stunden für die Führung.

Die kostenlose Führung beginnt am Samstag, 24.8.2019, um 10.00 Uhr, am Museum  Freitag, 24.8.2019, unter Tel.: 05662 50231, 05662 2370 , 05662 1799

oder Email: ag@museum-gensungen.de

 

 

 

 

 

 

Museum fit für die Zukunft

Gensunger Ausstellung nach pädagogischen Gesichtspunkten umgestaltet

Von Manfred Schaake

Vom ältesten Hessen bis zu dem Erlebnis, wie im Hubschrauber über Heiligenberg, Felsburg und Altenburg zu fliegen, bietet das Museum Gensungen künftig ganz neue Einblicke in die Geschichte unserer Heimat. Nach über zweijährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten wird das völlig neu gestaltete Museum am Sonntag, 19. Mai – dem 42. internationalen Museumstag – um 14 Uhr wieder öffnen. Es ist an diesem Tag bis 17 Uhr geöffnet. Der Museumshof ist bewirtschaftet.
Dank der Initiative der Arbeitsgemeinschaft (AG) für Vor- und Frühgeschichte und einer Förderung durch das Land Hessen und den Hessischen Museumsverband konnte die seit 2017 laufende museumspädagogische Gestaltung mit multimedialen Präsentationsformen noch erweitert werden. Das verlängerte zwar die Schließungsphase, aber die AG zieht einen erfolgreichen Schlussstrich: Die Geschichte sei jetzt noch besser erlebbar und begreifbar.
„Wir haben unser Museum für die Zukunft fit gemacht”, sagt AG-Vorsitzender Jörg-Harald Rode im HNA-Gespräch. Der Schwalm-Eder-Kreis sei vom Hessischen Kunst- und Kulturministerium kürzlich in das Projekt Landkulturperlen aufgenommen worden. Rode: „Ich wünsche mir, dass das Museum Gensungen als eine solche Perle wahrgenommen wird.”
Zu den Gesamtkosten von 160 000 Euro gab es nach Angaben der AG bis zu 80 Prozent Zuschüsse und Spenden. Den Löwenanteil der Arbeitsleistung erbrachten acht Mitglieder der AG: Sie leisteten 3800 Stunden freiwilligen Arbeitsdient. Ein beispielhafter Aufwand, der sich gelohnt hat, wie namens der AG auch Rolf Fröhlich und Kurt Sänger dankbar unterstreichen.
Der älteste Hesse – das ist der Eiszeitjäger von Rhünda. In der Nacht vom 19. zum 20. Juli 1956 spülten die Fluten eines schweren Unwetters am Rhündabach einen Schädel frei, der nach wissenschaftlichen Untersuchungen etwa 12 000 Jahre alt ist. Die damals zehnjährigen Günther Otys und Reinhart Wendel fanden den Schädel am Bachufer. Die Nachbildung ist nach den Worten von Rode, Rolf Fröhlich und Kurt Sänger eine der Attraktionen des Gensunger Museums – etwas Besonderes, deutschlandweit etwas Einzigartiges. Die Gensunger Geschichtskenner „tauften” den Menschen, zu dem der Schädel gehört, Eiszeitjäger von Rhünda. Das Original befindet sich im Kasseler Landesmuseum.
Wichtigste Partner beim Umbau des Museums waren das Landesamt für Denkmalpflege, die Kommission für archäologische Landesforschung, die Universität Marburg, der Hessische Museumsverband und das Landesmuseum Kassel. Im ehemaligen Bürgermeisteramt Gensungen wird die Geschichte des Altkreises Melsungen aus der Zeit 200 000 Jahre vor Christi Geburt bis ins Mittelalter dokumentiert. Auch für junge Menschen, so die AG, sei das Museum nun attraktiver: Die Geschichte werde durch technische und gestalterische Projekte besser vermittelt und kommuniziert.
Ein Beispiel: Im Original nur drei bis fünf Zentimeter großes Steinwerkzeug aus der Altsteinzeit wird auf einem Monitor bis zu 13-fach vergrößert. So kann der Betrachter beispielsweise sehr gut die Bearbeitungsspuren erkennen. Ermöglicht wird dies durch die Unterstützung des Hobbyfotografen Jörg Vierke aus Metzte durch eine sehr aufwändige Makrofotografie. WEITERE BERICHTE
Fachfrau: Vorbild für kleine Museen
Seit Jahren war die Präsentation in den Vitrinen unverändert. Der gute Rat des Hessischen Museumsverbandes: „Ihr seid wissenschaftlich top, müsst aber museumspädagogisch aufrüsten, damit der Laie besser angesprochen wird.” Dr. Ulrike Adamek von der Museumsberatung des Verbandes: „Die 30 Jahre alte Dauerausstellung war optisch überaltert und das Konzept entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen an Vermittlung im Museum.” Die jetzige professionelle Museumsgestaltung könne ein Vorbild sein für kleine Museen, die in der Zukunft bestehen wollen. Fachliche Beratung sei hilfreich. Dr. Adamek: „Die Zahl der Museen sollte nicht mehr steigen, verbessern könnte sich jedoch mancherorts die Qualität. Eine attraktive, facettenreiche Museumslandschaft kennt keinen Stillstand.” m.s.
 
Von Grau bis Rot
Zum erweiterten Museumskonzept gehört auch die neue Vitrinengestaltung nach der Vorgabe des Grafikers Steffen Härtel-Klopprogge aus Kassel. Die Farben der Vitrinen-Rückwände werden verschiedenen Zeitepochen zugeordnet. Es beginnt mit dem Grau der grauen Vorzeit und setzt sich fort über warme, gedeckte Grün- und erdige Orangentöne bis hin zum Rot. Mit der neuen Farb-Zeit-Skala wird die Zuordnung der Farben und Epochen deutlich. Die neu gestalteten Hintergründe lassen die ausgestellten Objekte gut in den Vordergrund treten. Die Illustrationen sollen unaufdringlich, aber klar erkennbar sein. Die Arbeitsgemeinschaft ist sich sicher, dass das völlig  neue Konzept überregionale Beachtung finden und insbesondere Kinder und Jugendliche für die Geschichte unserer Region sensibilisieren wird.  m.s.
 
HINTERGRUND
Faustkeil das älteste Stück
Das Gensunger Museum im ehemaligen Bürgermeisteramt besteht seit 1973. Die Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte zeigt schwerpunktmäßig archäologische Funde aus dem Altkreis Melsungen, insbesondere aus dem unteren Edertal. Das älteste Stück ist ein Faustkeil aus dem Sunderbachtal.
Zum Museum gehört auch eine permanente Sammlung im Tagelöhnerhaus, die im Rahmen von Sonderausstellungen in der Museummscheune ergänzt wird.
Bisher kamen pro Jahr während der Öffnungszeit von April bis Oktober samstags und sonntags rund 1000 Besucher. Es waren aber auch schon 1200 und im Jahr 2015 sogar 1350 Besucher in nur sechs Monaten.
Die Arbeitsgemeinschaft ist für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet worden – unter anderem mit dem Paul-Dierichs-Preis unserer Zeitung, dem Hessischen Denkmalschutzpreis und dem Ehrenpreis des Schwalm-Eder-Kreises für beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement.
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