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Obendrüber schneit es

Vokalquartett „Ohrenweide” begeisterte in Gensunger Musumsscheune

Von Manfred Schaake

Gensungen   „Es ist immer wieder ein einmalig schönes Erlebnis”, meinten Besucher nach dem Konzert in der Gensunger Museumsscheune. Dort herrschte am Samstag vorweihnachtliche Stimmung. Alle Jahre wieder lädt die Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte zu dem Konzert ein. Von den knapp 100 Plätzen bleibt keiner leer, und auch diesmal trugen sich schon 50 Interessenten für das nächste Jahr ein.

Das Vokalquartett „Ohrenweide” unter der Leitung von Uwe Henkhaus aus Betziesdorf bei Marburg hat die Besucher begeistert. Henkhaus, Claudine Richard Mäßer, Regina Fuchs und Thomas Schlosser präsentierten weihnachtliche Lieder. Die Buchautorin Astrid Ruppert, die auch Drehbücher für Rosamunde Pilcher schreibt, stellte ihre Lesungen unter das Motto „Obendrüber, da schneit es.” Es gab anhaltenden Beifall und zwei Zugaben. Und nach „Die Heiligen drei Könige” den von allen gemeinsam gesungenen Kanon „Dona nobis pacem”.

Buchautorin Astrid Ruppert und das Vokalquartett „Ohrenweide” in der Gensunger Museumsscheune. Uwe Henkhaus, Claudine Richard-Mäßer, Regina Fuchs und Thomas Schlosser, von links, präsentierten weihnachtliche Lieder.

Nach zweijähriger Pause war Uwe Henkhaus nun schon zum 13. Mal zu Gast in Gensungen. Das beliebte Konzert in der Scheune neben dem Museum war zehn Jahre lang vom „Hessenquartett” gestaltet worden. Diese Formation hatte sich nach 35 Jahren aufgelöst. Das Vokalquartett „Ohrenweide” bildete sich neu und war nun zum dritten Mal zu Gast in Gensungen.

„Es wird lustig, besinnlich, rührend, festlich und weihnachtlich”, versprach Jörg-Harald Rode, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte, zur Begrüßung. Und so war es dann auch. Autorin Ruppert machte sich Gedanken über den allein im großen Pfarrhaus lebenden Seelsorger, der am 23. Dezember noch keine Weihnachtspredigt hatte und spannte über Gans und Leberpastete einen Bogen zu Tannenbaum und Strohsternen. Mit Liedern wie O lasset uns anbeten, Ehre sei Gott, alle Jahre wieder und dem Klassiker Stille Nacht wurden die Besucher auf Weihnachten eingestimmt. Die Sehnsucht nach Liebe und Frieden kam zum Ausdruck. Unter dem historischen Gebälk der vorbildlich restaurierten Museumsscheune hebt sich die Atmosphäre deutlich vom heutigen kommerzialisierten Adventsgeschehen ab, meinten Besucher. Vor und nach dem Konzert und in der Pause genießen sie bei Glühwein, Fettenbrot und Backspezialitäten die besondere Atmosphäre auch im festlich geschmückten Innenhof des Museums. Dafür sorgt die Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte, unter deren Regie das modernisierte Museum zu einer neuen Attraktion für die Region geworden ist.

Für die Autorin und das Quartett gab es Böddiger Berg und Alhe Wurscht aus dem Edertal. „Da brauchen wir keine Weihnachtsgans mehr”, hieß es aus der Runde.

 

 

 

 

Museum fit für die Zukunft

Gensunger Ausstellung nach pädagogischen Gesichtspunkten umgestaltet

Von Manfred Schaake

Vom ältesten Hessen bis zu dem Erlebnis, wie im Hubschrauber über Heiligenberg, Felsburg und Altenburg zu fliegen, bietet das Museum Gensungen künftig ganz neue Einblicke in die Geschichte unserer Heimat. Nach über zweijährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten wird das völlig neu gestaltete Museum am Sonntag, 19. Mai – dem 42. internationalen Museumstag – um 14 Uhr wieder öffnen. Es ist an diesem Tag bis 17 Uhr geöffnet. Der Museumshof ist bewirtschaftet.
Dank der Initiative der Arbeitsgemeinschaft (AG) für Vor- und Frühgeschichte und einer Förderung durch das Land Hessen und den Hessischen Museumsverband konnte die seit 2017 laufende museumspädagogische Gestaltung mit multimedialen Präsentationsformen noch erweitert werden. Das verlängerte zwar die Schließungsphase, aber die AG zieht einen erfolgreichen Schlussstrich: Die Geschichte sei jetzt noch besser erlebbar und begreifbar.
„Wir haben unser Museum für die Zukunft fit gemacht”, sagt AG-Vorsitzender Jörg-Harald Rode im HNA-Gespräch. Der Schwalm-Eder-Kreis sei vom Hessischen Kunst- und Kulturministerium kürzlich in das Projekt Landkulturperlen aufgenommen worden. Rode: „Ich wünsche mir, dass das Museum Gensungen als eine solche Perle wahrgenommen wird.”
Zu den Gesamtkosten von 160 000 Euro gab es nach Angaben der AG bis zu 80 Prozent Zuschüsse und Spenden. Den Löwenanteil der Arbeitsleistung erbrachten acht Mitglieder der AG: Sie leisteten 3800 Stunden freiwilligen Arbeitsdient. Ein beispielhafter Aufwand, der sich gelohnt hat, wie namens der AG auch Rolf Fröhlich und Kurt Sänger dankbar unterstreichen.
Der älteste Hesse – das ist der Eiszeitjäger von Rhünda. In der Nacht vom 19. zum 20. Juli 1956 spülten die Fluten eines schweren Unwetters am Rhündabach einen Schädel frei, der nach wissenschaftlichen Untersuchungen etwa 12 000 Jahre alt ist. Die damals zehnjährigen Günther Otys und Reinhart Wendel fanden den Schädel am Bachufer. Die Nachbildung ist nach den Worten von Rode, Rolf Fröhlich und Kurt Sänger eine der Attraktionen des Gensunger Museums – etwas Besonderes, deutschlandweit etwas Einzigartiges. Die Gensunger Geschichtskenner „tauften” den Menschen, zu dem der Schädel gehört, Eiszeitjäger von Rhünda. Das Original befindet sich im Kasseler Landesmuseum.
Wichtigste Partner beim Umbau des Museums waren das Landesamt für Denkmalpflege, die Kommission für archäologische Landesforschung, die Universität Marburg, der Hessische Museumsverband und das Landesmuseum Kassel. Im ehemaligen Bürgermeisteramt Gensungen wird die Geschichte des Altkreises Melsungen aus der Zeit 200 000 Jahre vor Christi Geburt bis ins Mittelalter dokumentiert. Auch für junge Menschen, so die AG, sei das Museum nun attraktiver: Die Geschichte werde durch technische und gestalterische Projekte besser vermittelt und kommuniziert.
Ein Beispiel: Im Original nur drei bis fünf Zentimeter großes Steinwerkzeug aus der Altsteinzeit wird auf einem Monitor bis zu 13-fach vergrößert. So kann der Betrachter beispielsweise sehr gut die Bearbeitungsspuren erkennen. Ermöglicht wird dies durch die Unterstützung des Hobbyfotografen Jörg Vierke aus Metzte durch eine sehr aufwändige Makrofotografie. WEITERE BERICHTE
Fachfrau: Vorbild für kleine Museen
Seit Jahren war die Präsentation in den Vitrinen unverändert. Der gute Rat des Hessischen Museumsverbandes: „Ihr seid wissenschaftlich top, müsst aber museumspädagogisch aufrüsten, damit der Laie besser angesprochen wird.” Dr. Ulrike Adamek von der Museumsberatung des Verbandes: „Die 30 Jahre alte Dauerausstellung war optisch überaltert und das Konzept entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen an Vermittlung im Museum.” Die jetzige professionelle Museumsgestaltung könne ein Vorbild sein für kleine Museen, die in der Zukunft bestehen wollen. Fachliche Beratung sei hilfreich. Dr. Adamek: „Die Zahl der Museen sollte nicht mehr steigen, verbessern könnte sich jedoch mancherorts die Qualität. Eine attraktive, facettenreiche Museumslandschaft kennt keinen Stillstand.” m.s.
 
Von Grau bis Rot
Zum erweiterten Museumskonzept gehört auch die neue Vitrinengestaltung nach der Vorgabe des Grafikers Steffen Härtel-Klopprogge aus Kassel. Die Farben der Vitrinen-Rückwände werden verschiedenen Zeitepochen zugeordnet. Es beginnt mit dem Grau der grauen Vorzeit und setzt sich fort über warme, gedeckte Grün- und erdige Orangentöne bis hin zum Rot. Mit der neuen Farb-Zeit-Skala wird die Zuordnung der Farben und Epochen deutlich. Die neu gestalteten Hintergründe lassen die ausgestellten Objekte gut in den Vordergrund treten. Die Illustrationen sollen unaufdringlich, aber klar erkennbar sein. Die Arbeitsgemeinschaft ist sich sicher, dass das völlig  neue Konzept überregionale Beachtung finden und insbesondere Kinder und Jugendliche für die Geschichte unserer Region sensibilisieren wird.  m.s.
 
HINTERGRUND
Faustkeil das älteste Stück
Das Gensunger Museum im ehemaligen Bürgermeisteramt besteht seit 1973. Die Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte zeigt schwerpunktmäßig archäologische Funde aus dem Altkreis Melsungen, insbesondere aus dem unteren Edertal. Das älteste Stück ist ein Faustkeil aus dem Sunderbachtal.
Zum Museum gehört auch eine permanente Sammlung im Tagelöhnerhaus, die im Rahmen von Sonderausstellungen in der Museummscheune ergänzt wird.
Bisher kamen pro Jahr während der Öffnungszeit von April bis Oktober samstags und sonntags rund 1000 Besucher. Es waren aber auch schon 1200 und im Jahr 2015 sogar 1350 Besucher in nur sechs Monaten.
Die Arbeitsgemeinschaft ist für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet worden – unter anderem mit dem Paul-Dierichs-Preis unserer Zeitung, dem Hessischen Denkmalschutzpreis und dem Ehrenpreis des Schwalm-Eder-Kreises für beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement.
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