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Danke an zwei Vorbilder

Jörg-Harald Rode und Rolf Fröhlich erhalten Landes-Ehrenbriefe

Von Manfred Schaake

Hohe Auszeichnung für Jörg-Harald Rode und Rolf Fröhlich: Die beiden Gensunger wurden „in Würdigung langjähriger ehrenamtlicher Leistungen und für Verdienste um die Gemeinschaft” mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Landrat Winfried Becker überreichte die Ehrenbriefe in einer Feier aus Anlass der Wiedereröffnung des neu gestalteten Gensunger Museums – HNA berichtete. Rode und Fröhlich sind 1. und 2. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (AG) für Vor- und Frühgeschichte, Träger des Museums.

Becker würdigte beide als Vorbilder und bescheinigte ihnen einen „unglaublichen Elan”. Der Landrat hob die Hartnäckigkeit der Geehrten hervor und ihr Geschick, weitere Menschen als Partner und Förderer für die gute Sache zu gewinnen. Für beide war die Ehrung eine Überraschung – sie war bis zuletzt geheim gehalten worden.

„Ehrenamtliches Engagement ist nicht selbstverständlich, es macht unser Leben lebenswert”, sagte Becker. Ein Auszug aus den vielen Tätigkeiten, die der Landrat nannte: Rode war Gründungsmitglied und von 1984 bis 2010 zweiter Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Felsberg. In den 1990-er Jahren gehörte der Schüleraustausch mit Frankreich zu den Schwerpunkten seiner Tätigkeit. In verschiedenen Funktionen engagierte sich Rode auch im Verein kinder-, familien- und seniorenfreundliches Felsberg.

Seit 2014 leite Rode die AG für Vor- und Frühgeschichte mit hervorragendem Engagement, lobte Becker: „Ihrem Ansporn ist es zu verdanken, dass die vor- und frühgeschichtliche Abteilung des Museums grundlegend erneuert wurde.” Eine Zusammenarbeit mit der Drei-Burgen-Schule sei bereits vorbereitet. Arbeitsschwerpunkte Rodes seien auch die enge Zusammenarbeit mit dem Hessischen Museumsverband, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Universität Marburg, dem Landesmuseum Kassel sowie die Betreuung von Studenten bei fachwissenschaftlichen Arbeiten. Auch im Stadtarchiv Felsberg arbeitet Rode seit 2010 aktiv mit.

Im Stadtarchiv engagiert sich auch Rolf Fröhlich. Er ist Mitautor einer interessanten Dokumentation über den Braunkohleabbau unter dem Heiligenberg, der 1954 nach 399 Jahren endete. Seit 1977 ist Fröhlich Mitglied im Schützenverein Gut Ziel Gensungen. Während seiner Amtszeit als Jugendwart stieg die Zahl der Jugendlichen im Verein, hob der Landrat hervor. Mit verschiedenen Aktivitäten habe Fröhlich das Gemeinschaftsgefühl der Jugendlichen gefördert.

Nachdem das Schützenhaus im Sunderbachtal 1977 abgebrannt war, habe Fröhlich durch zahlreiche Arbeitsstunden dazu beigetragen, dass der Verein heute über eine Sportanlage verfüge, die allen sportlichen Anforderungen gerecht werde. Seit 1988 ist Fröhlich Mitglied der AG für Vor- und Frühgeschichte. Als 2. Vorsitzender habe er federführend die Neugestaltung des Museums betrieben, betonte der Landrat weiter. Bei der Weinakademie Schwalm-Eder habe sich Fröhlich unter anderem als Vorsitzender und Pressewart engagiert.

„Ich ziehe den Hut vor Ihrem Engagement”, rief der Landrat den beiden Geehrten zu, und Bürgermeister Volker Steinmetz verband seinen Dank mit dem Appell: „Bitte machen Sie so weiter.”

Freuen sich über den Ehrenbrief des Landes Hessen: von links Jörg-Harald Rode und Rolf Fröhlich, denen Landrat Winfried Becker die Auszeichnung überreichte. Auch Bürgermeister Volker Steinmetz dankte für das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement in Gensungen und Felsberg. Foto: Manfred Schaake

 

Einwände fielen auf fruchtbaren Boden

Dank an die vielen Spender

Mit einem Dank an alle Unterstützer verband Vorsitzender Jörg-Harald Rode namens der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte die Feierstunde zur Einweihung des Museums. Im Juni 2016 hatte man beschlossen, eine schadhafte Ausstellungsvitrine zu erneuern. Man bat den Hessischen Museumsverband um Unterstützung. Der Verband – so Rode – war allerdings der Meinung, dass die Ausstellung insgesamt optisch überaltert sei und der heutigen Zeit angepasst werden müsse, also kundenfreundlicher, auch dem Laien verständlich. Eine graphische Überarbeitung und der Einsatz moderner Medien seien erforderlich. Rode: „Diese Einwände fielen bei uns durchaus auf fruchtbaren Boden.”

Der Hessische Museumsverband bewilligte Zuschüsse, die Stadt Felsberg habe das Geld für die Überarbeitung der Elektroanlage bereitgestellt. Rode verwies auf die Eigenleistung der AG. „Wir sind im geplanten finanziellen Rahmen geblieben, was heutzutage nicht selbstverständlich ist, und haben auch keine Schulden gemacht”, sagte der Vorsitzende. Das sei vor allem vielen Spendern zu verdanken.

Die AG habe bei ihrer Arbeit viel gelernt, „und je mehr das Projekt Gestalt angenommen hat, desto mehr hat es unseren Ehrgeiz geweckt und auch Spaß gemacht.” Mit dem Ergebnis sei man zufrieden. Der Schwalm-Eder-Kreis sei vor kurzem in das Projekt Land-Kultur-Perle aufgenommen worden. Rode: „Hoffen wir, dass unser Museum einen kleinen Beitrag dazu leisten kann.” m.s.

 

Bürger-Lob: Eine tolle Präsentation

Beim jüngsten internationalen  Museumstag gab es viel Lob und Anerkennung für das neu gestaltete Gensunger Museum. Etwa 200 Besucher kamen. „Viele waren begeistert”, freute sich am Sonntagabend der Vorstand der AG für Vor- und Frühgeschichte.

„Eine tolle Präsentation – besser kann man es sich nicht vorstellen.” Das sagte Ingrid Rittger, Schriftführerin des Kultur- und Heimatvereins Haldorf. Und ein Ehepaar aus Felsberg betonte: „Wir sind begeistert. Einfach fabelhaft.”

 

 

 

Museum fit für die Zukunft

Gensunger Ausstellung nach pädagogischen Gesichtspunkten umgestaltet

Von Manfred Schaake

Vom ältesten Hessen bis zu dem Erlebnis, wie im Hubschrauber über Heiligenberg, Felsburg und Altenburg zu fliegen, bietet das Museum Gensungen künftig ganz neue Einblicke in die Geschichte unserer Heimat. Nach über zweijährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten wird das völlig neu gestaltete Museum am Sonntag, 19. Mai – dem 42. internationalen Museumstag – um 14 Uhr wieder öffnen. Es ist an diesem Tag bis 17 Uhr geöffnet. Der Museumshof ist bewirtschaftet.
Dank der Initiative der Arbeitsgemeinschaft (AG) für Vor- und Frühgeschichte und einer Förderung durch das Land Hessen und den Hessischen Museumsverband konnte die seit 2017 laufende museumspädagogische Gestaltung mit multimedialen Präsentationsformen noch erweitert werden. Das verlängerte zwar die Schließungsphase, aber die AG zieht einen erfolgreichen Schlussstrich: Die Geschichte sei jetzt noch besser erlebbar und begreifbar.
„Wir haben unser Museum für die Zukunft fit gemacht”, sagt AG-Vorsitzender Jörg-Harald Rode im HNA-Gespräch. Der Schwalm-Eder-Kreis sei vom Hessischen Kunst- und Kulturministerium kürzlich in das Projekt Landkulturperlen aufgenommen worden. Rode: „Ich wünsche mir, dass das Museum Gensungen als eine solche Perle wahrgenommen wird.”
Zu den Gesamtkosten von 160 000 Euro gab es nach Angaben der AG bis zu 80 Prozent Zuschüsse und Spenden. Den Löwenanteil der Arbeitsleistung erbrachten acht Mitglieder der AG: Sie leisteten 3800 Stunden freiwilligen Arbeitsdient. Ein beispielhafter Aufwand, der sich gelohnt hat, wie namens der AG auch Rolf Fröhlich und Kurt Sänger dankbar unterstreichen.
Der älteste Hesse – das ist der Eiszeitjäger von Rhünda. In der Nacht vom 19. zum 20. Juli 1956 spülten die Fluten eines schweren Unwetters am Rhündabach einen Schädel frei, der nach wissenschaftlichen Untersuchungen etwa 12 000 Jahre alt ist. Die damals zehnjährigen Günther Otys und Reinhart Wendel fanden den Schädel am Bachufer. Die Nachbildung ist nach den Worten von Rode, Rolf Fröhlich und Kurt Sänger eine der Attraktionen des Gensunger Museums – etwas Besonderes, deutschlandweit etwas Einzigartiges. Die Gensunger Geschichtskenner „tauften” den Menschen, zu dem der Schädel gehört, Eiszeitjäger von Rhünda. Das Original befindet sich im Kasseler Landesmuseum.
Wichtigste Partner beim Umbau des Museums waren das Landesamt für Denkmalpflege, die Kommission für archäologische Landesforschung, die Universität Marburg, der Hessische Museumsverband und das Landesmuseum Kassel. Im ehemaligen Bürgermeisteramt Gensungen wird die Geschichte des Altkreises Melsungen aus der Zeit 200 000 Jahre vor Christi Geburt bis ins Mittelalter dokumentiert. Auch für junge Menschen, so die AG, sei das Museum nun attraktiver: Die Geschichte werde durch technische und gestalterische Projekte besser vermittelt und kommuniziert.
Ein Beispiel: Im Original nur drei bis fünf Zentimeter großes Steinwerkzeug aus der Altsteinzeit wird auf einem Monitor bis zu 13-fach vergrößert. So kann der Betrachter beispielsweise sehr gut die Bearbeitungsspuren erkennen. Ermöglicht wird dies durch die Unterstützung des Hobbyfotografen Jörg Vierke aus Metzte durch eine sehr aufwändige Makrofotografie. WEITERE BERICHTE
Fachfrau: Vorbild für kleine Museen
Seit Jahren war die Präsentation in den Vitrinen unverändert. Der gute Rat des Hessischen Museumsverbandes: „Ihr seid wissenschaftlich top, müsst aber museumspädagogisch aufrüsten, damit der Laie besser angesprochen wird.” Dr. Ulrike Adamek von der Museumsberatung des Verbandes: „Die 30 Jahre alte Dauerausstellung war optisch überaltert und das Konzept entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen an Vermittlung im Museum.” Die jetzige professionelle Museumsgestaltung könne ein Vorbild sein für kleine Museen, die in der Zukunft bestehen wollen. Fachliche Beratung sei hilfreich. Dr. Adamek: „Die Zahl der Museen sollte nicht mehr steigen, verbessern könnte sich jedoch mancherorts die Qualität. Eine attraktive, facettenreiche Museumslandschaft kennt keinen Stillstand.” m.s.
 
Von Grau bis Rot
Zum erweiterten Museumskonzept gehört auch die neue Vitrinengestaltung nach der Vorgabe des Grafikers Steffen Härtel-Klopprogge aus Kassel. Die Farben der Vitrinen-Rückwände werden verschiedenen Zeitepochen zugeordnet. Es beginnt mit dem Grau der grauen Vorzeit und setzt sich fort über warme, gedeckte Grün- und erdige Orangentöne bis hin zum Rot. Mit der neuen Farb-Zeit-Skala wird die Zuordnung der Farben und Epochen deutlich. Die neu gestalteten Hintergründe lassen die ausgestellten Objekte gut in den Vordergrund treten. Die Illustrationen sollen unaufdringlich, aber klar erkennbar sein. Die Arbeitsgemeinschaft ist sich sicher, dass das völlig  neue Konzept überregionale Beachtung finden und insbesondere Kinder und Jugendliche für die Geschichte unserer Region sensibilisieren wird.  m.s.
 
HINTERGRUND
Faustkeil das älteste Stück
Das Gensunger Museum im ehemaligen Bürgermeisteramt besteht seit 1973. Die Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte zeigt schwerpunktmäßig archäologische Funde aus dem Altkreis Melsungen, insbesondere aus dem unteren Edertal. Das älteste Stück ist ein Faustkeil aus dem Sunderbachtal.
Zum Museum gehört auch eine permanente Sammlung im Tagelöhnerhaus, die im Rahmen von Sonderausstellungen in der Museummscheune ergänzt wird.
Bisher kamen pro Jahr während der Öffnungszeit von April bis Oktober samstags und sonntags rund 1000 Besucher. Es waren aber auch schon 1200 und im Jahr 2015 sogar 1350 Besucher in nur sechs Monaten.
Die Arbeitsgemeinschaft ist für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet worden – unter anderem mit dem Paul-Dierichs-Preis unserer Zeitung, dem Hessischen Denkmalschutzpreis und dem Ehrenpreis des Schwalm-Eder-Kreises für beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement.
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